Seit wir uns das letzte Mal gemeldet haben ist nicht nur viel Zeit vergangen, sondern auch einiges passiert. Wir haben nun beide einen Job und Platz zum „überwintern“ gefunden – leider nicht den selben. Genaueres in unserem Blogbeitrag.

Da Julius und Ich zur Zeit an zwei verschiedenen Orten leben, berichte ich nur über meine (Raphael) Erlebnisse. In kürze erscheint ein eigener Artikel von Julius.

Meine Zeit in Banff

Während Julius bereits Anfang November seinen Job im Fairmont antrat, war es für mich weiterhin schwierig einen Job zu finden. Schließlich bewarb ich mich im HI-Hostel für das „Work-for-Stay“-Programm. So lebte ich weitere 3 Wochen im Hostel, arbeite einige Stunden am Tag und konnte dafür kostenfrei wohnen. Ich entdeckte auf vielen weiteren Wanderungen wunderschöne Plätze wie beispielsweise den Sundance Canyon. Dort war der Fluss der sonst durch die enge schroffe Schlucht donnert komplett eingefrorenen. Überall sah man besondere und eigenartige Eisformationen.

Doch umso mehr mir die Natur in Banff gefiel, umso mehr stieg auch die Lust endlich wieder meinen Backpack aufzusetzen und etwas neues zu entdecken. Ich wollte die Zeit um Weihnachten und Silvester in einer großen Stadt verbringen, in der etwas los ist, in der es viel zu entdecken gibt und in der ich neue Menschen treffe. So entstand mein Plan nach Toronto zu gehen.

3500 Kilometer, 56 Stunden und 3 Zeitzonen – die lange Busfahrt

3500 Kilometer – das entspricht der Autostrecke vom spanischen Barcelona bis Moskau in Russland. Ganze 56 Stunden dauerte meine Busfahrt von Banff nach Toronto. Dabei durchquerte ich den Großteil des Landes und ganze drei Zeitzonen.

Der Greyhoundbus ist in Kanada die günstigste Möglichkeit weitere Strecken zurückzulegen. Er operiert vor allem auf dem Trans-Canada-Highway, der drittlängste Straße der Welt, die zwischen Victoria im Westen des Landes und St. John’s an der Ostküste verläuft. Etwa die Hälfte dieser 70000 km Strecke legte ich am Stück zurück und sah dabei einiges vom Land.

In Manitoba erwarte uns Schnee und große Kälte…

Meine Busreise begann abends, sodass ich auf dem ersten Streckenabschnitt kaum etwas zu sehen bekam. Nur die Lichter der zahlreichen Hochhäuser der modernen Metropole Calgary stellten eine Abwechslung dar. Als es am nächsten Morgen hell wurde, hatten wir bereits das Gebiet der Rocky Mountains verlassen. Alles was man sehen konnte waren Stoppelfelder, so weit das Auge reichte. Ab und zu tauchte ein riesiger Kornspeicher gespenstig aus dem Nebel auf, dann mal ein kleines Bauerndorf.

Oft schon hat man davon gehört, jetzt konnte ich es mit eigenen Augen sehen: die Landschaft im zentralen Kanada variiert kaum. Wenn man nach einem mehrstündigen Schlaf aufwacht und aus dem Fenster schaut, sieht es noch genauso aus wie vorher. Mehr als einen ganzen Tag fuhren wir durch diese nebelverhangene Landschaft, die ohne das typische Getreide sehr öde erschien – aber genau das ist auch der Reiz von Saskatchewan und Manitoba, die unendliche, scheinbar grenzenlose Weite.

Ankommen in Toronto…

Am frühen Morgen des 24. November rollte der Bus schließlich mit dem Berufsverkehr in Toronto ein. Da die Greater Toronto Area mittlerweile über 6 Millionen Einwohner umfasst gibt es riesige Vorstädte aus denen jeden Morgen die Pendler auf den bis zu achtspurigen Straßen in die Stadt strömen.

Hier in T.O., wie die Einwohner Torontos ihre Stadt liebevoll nennen, durfte ich meine ersten Erfahrungen mit Couchsurfing machen. Bei Efren, meinem ersten Host konnte ich für eine Woche bleiben und so erst mal richtig ankommen. Er nahm mich sehr gastfreundlich auf und konnte mich stets mit guten Tipps bei der Entdeckung der Stadt und der Jobsuche helfen.

Tatsächlich hab ich in seiner Wohnung nun auch einen Platz für die kommenden Wochen gefunden. Als Untermieter kann ich hier ein kleines Zimmer bewohnen und die ganze Wohnung mitbenutzen. Und das zu einem Preis zu dem vermutlich niemand in diesem Viertel in Toronto wohnt. Ich habe wirklich Glück.

Die Jobsuche

Wie erwartet verlief die Jobsuche hier in Toronto um einiges einfacher als in Banff. Nachdem ich meinen Lebenslauf nochmal kräftig überholt und noch mehr den kanadischen Standards angepasst hatte, versuchte ich es nun mit dem persönlichen Vorstellen und Verteilen meiner Resumés in einigen großen Einkaufsstraßen. Und ich hatte Erfolg. Bereits am zweiten Tag bekam ich einen Anruf und wurde für ein Telefoninterview 10  Minuten später eingeladen. Schon am nächsten Tag saß ich in einem nächsten persönlichen Interview und wieder zwei Stunden später hatte ich den Job in der Tasche und begann mit dem Training.

Das Tim Hortons Logo…

Seit zwei Wochen arbeite ich nun schon Nachtschichten bei Tim Hortons. Meine Aufgabenbereiche sind zum einen das Bedienen der gelegentlich hereinschneienden Kunden und zum anderen das Vorbereiten und Backen der Donuts, Bagels, Croissants usw. für die Morning-Rushhour.

Das Showcase des Tim Hortons…

Es war am Anfang nicht ganz einfach mit dem neuen Rhythmus zurecht zu kommen, aber mittlerweile klappt es immer besser. Ich arbeite nachts von 11 pm bis 7 am, habe dann die täglichen Sonnenstunden bis 3 Uhr frei und schlafe den Nachmittag über bis um 10 pm. So kann ich die helle Zeit den Tages optimal zum Entdecken der Stadt nutzen und profitiere von finanziellen Anreizen der Nachtschichten. Meine Kollegen sind vor allem Studenten der University of Toronto, die mit dem Job ihr Studium und ihren Unterhalt finanzieren. Somit habe ich meist Mitarbeiter mit denen die Zeit nicht zu lang sondern sehr lustig ist.

So geht es weiter…

Während ich mich die ersten Wochen vor allem um meine Jobsuche, die Änderung des Tagesrhythmus und die Wohnungssuche gekümmert habe, werde ich nun die nächsten Wochen versuchen die Stadt noch intensiver zu entdecken. Ich habe zwar schon viel erlebt und gesehen, doch berichte erst im nächsten Beitrag wenn mein Eindruck vom Stadtbild komplett ist.

Bis dahin wünsche ich allen eine gute Adventszeit. Bis bald!

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